1709

Bau der Rochuskapelle in Seligenthal

Die Seligenthaler errichten als Dank für die Verschonung vor der "roten Ruhr", die in Siegburg wütet, 1709 eine Kapelle und weihen sie dem Schutzpatron der Gefangenen und Kranken, der Ärzte, Chirurgen und Apotheker, aber auch der Bauern, Gärtner, Schreiner, Pflasterer, Bürstenbinder, Totengräber und Kunsthändler; des Viehs; gegen Pest und Cholera, Seuchen, Tollwut, Fuß-, Bein- und Knieleiden sowie Unglücksfälle jeder Art, dem hl. Rochus von Montpellier.

Die Rote Ruhr ist eine bei Menschen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts meist epidemisch auftretende Infektionskrankheit, die sich in einer Entzündung der Dickdarmschleimhaut äußert. Ausgelöst wird die Erkrankung durch den sog. Dysenteriebazillus, der den Typhusbazillen ähnelt. Die Infektion erfolgt durch schlechte hygienische Verhätnissen. Fliegen, die auf dem Kot der Erkrankten gesessen haben, sorgen für eine schnelle Verbreitung. Die Krankheit beginnt mit einem scheinbar harmlosen Durchfall, der sich rasch verschlimmert und von immer heftig werdenden Schmerzen und Krämpfen begleitet wird. Dazu gesellt sich bald hohes Fieber und führt rasch zur völligen Entkräftung. Äußerdlich betrachtet, stirbt der Erkrankte, ähnlich wie bei Typhus und Cholera, an Dehydrierung und Entrkäftung, innerlich haben die Erreger den Dickdarm zerfressen, was zu Darmdurchbrüchen und als Ausscheidung zu blutigem Schleim geführt hat . Daher trägt diese Infektion auch den Namen Rote Ruhr.

Von der rothen Ruhr. ... Gieb einem Hund drey Tage nichts als Knochen, aber sperre ihn daneben ein. Dessen Koth ist wider alle Bauch-Flüsse. Zu mercken aber, daß das Weisse im dörren Koth, und zwar von einem weissen Hund, besser als von anderen sey. ... In jüngster rother Ruhr nahm ein benachbarter Edelmann Esels- und Säu-Koth, mischte Spinnweben darunter, und machte mit Menschen-Urin ein Cataplasma [Umschlag], so er seinem krancken Knecht warm übern Leib schlug, wovon sich mancher wohl befand. ... Wie kann aber Dreck so große Dinge tun? Unstreitig, daß ein häuffiges Saltz darin stecke, ... es ist über das im Koth der Lebens-Geist noch übrig. Kristian Franz Paulini: Heilsame Dreck-Apotheke, Franckfurt am Mayn 1734. Das Kapitel VIII. Von der rothen Ruhr, S. 163-171.


Die dem hl. Rochus geweihte Wegekapelle liegt gut 100 Meter vom Klosterkomplex entfernt, Richtung der kleinen Ortschaft Seligenthal, an der Straße. Foto Februar 2010.
Die dem hl. Rochus geweihte Wegekapelle liegt gut 100 Meter vom Klosterkomplex entfernt, Richtung der kleinen Ortschaft Seligenthal, an der Straße. Foto Februar 2010.
Die dem hl. Rochus geweihte Wegekapelle liegt gut 100 Meter vom Klosterkomplex entfernt, Richtung der kleinen Ortschaft Seligenthal, an der Straße. Foto Februar 2010.
Die dem hl. Rochus geweihte Wegekapelle liegt gut 100 Meter vom Klosterkomplex entfernt, Richtung der kleinen Ortschaft Seligenthal, an der Straße. Foto Februar 2010.
Blick durch die geöffnete Kapellentür auf die Figur des hl. Rochus; im Türsturz eingemeißelt das Jahr der Erbauung: ANNO 1709.
Blick durch die geöffnete Kapellentür auf die Figur des hl. Rochus; im Türsturz eingemeißelt das Jahr der Erbauung: ANNO 1709.
Die heute in der Kirche hängenden Andachtsschreine stammen aus der Erbauungszeit der Kapelle und zeigen den hl. Antonius mit dem Christusknaben.
Die heute in der Kirche hängenden Andachtsschreine stammen aus der Erbauungszeit der Kapelle und zeigen den hl. Antonius mit dem Christusknaben.

Die heute in der Kirche hängenden Andachtsschreine stammen aus der Erbauungszeit der Kapelle und zeigen den hl. Antonius mit dem Christusknaben.
Die heute in der Kirche hängenden Andachtsschreine stammen aus der Erbauungszeit der Kapelle und zeigen den hl. Antonius mit dem Christusknaben.
Titelblatt und Frontispiece des Nachdrucks"Heilsame Drecksapotheke" von 1734, Nachdruck 1969.
Titelblatt und Frontispiece des Nachdrucks"Heilsame Drecksapotheke" von 1734, Nachdruck 1969.
Titelblatt und Frontispiece des Nachdrucks"Heilsame Drecksapotheke" von 1734, Nachdruck 1969.
Titelblatt und Frontispiece des Nachdrucks"Heilsame Drecksapotheke" von 1734, Nachdruck 1969.