1990, Januar 9

Eintragung des Siegburger Mühlengrabens als Denkmal, geschaffen von Menschenhand, in die Denkmalliste der Stadt

Am 9. Januar 1990 wird Mühlengraben als Nummer 75 in die Denkmalliste der Stadt eingetragen. Die Begründung lautet:„... Als mittelalterliche Anlage hat er technikgeschichtliche Bedeutung, als Betreiber mehrer Mühlen, als Stadtgraben, als Transportweg ortsgeschichtliche Bedeutung, als zum Teil die Stadtmauer begleitender Wassergraben städtebauliche Bedeutung; zusätzlich unverzichtbarer Bestandteil des Ortsbildes Siegburg. ...“

Der Siegburger Mühlengraben bezieht sein Wasser aus der Sieg. Direkt oberhalb des Buisdorfer Wehrs wird er aus dem Flusslauf abgezweigt und verläuft quer durch das Stadtgebiet, um nach exakt 4,668 km kurz vor der Brücke der B 56 unweit der Aggermündung, wieder in die Sieg einzumünden. Hinter dieser nüchternen Routenbeschreibung verbirgt sich ein interessanter Wasserlauf quer durch die Stadt, dessen Wellen zugleich auch wichtige Stationen der Stadtgeschichte wiederspiegeln. Urkundlich nachgewiesen ist der Mühlengraben seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Da die Wasserkraft bis ins 19. Jahrhundert hinein die maßgebliche Energiequelle zur Unterstützung der menschlichen und tierischen Arbeitskraft war, finden sich immer im Gefolge mittelalterlicher Städtegründungen auch die Anlage von Mühlen. Das heißt, der Siegburger Mühlengraben wird, wenn auch erst ein Jahrhundert später in den Quellen erwähnt, bereits in der Gründungsphase der Stadt am Ende des 11. Jahrhunderts angelegt worden sein, spätestens aber seit der Errichtung der Stadtmauern in staufischer Zeit zu Beginn des 12. Jahrhunderts. ..., ein Werk menschlichen Schaffens? Sicherlich bediente man sich bei seinem Bau -schon aus arbeitstechnischen Gründen - auch der Laufreste alter Siegarme, insgesamt wurde sein Verlauf aber künstlich angelegt und richtete sich nach den Bedürfnissen und den Platzvorgaben der im Wachsen befindlichen jungen Stadt. Sie umschloss den Mühlengraben im Laufe der Zeit mit ihren Straßen und Bauten, und so wurde bis heute sein aus dem Mittelalter stammender Verlauf im Stadtgebiet nie mehr verändert.
Andrea Korte-Böger: Der Mühlengraben. In: Siegburger Blätter Nr. 15, 2007


Postkarte in Kupfertiefdruck aus der Siegburger Photogravur, um 1920
Postkarte in Kupfertiefdruck aus der Siegburger Photogravur, um 1920
Der Mühlengraben unterhalb des Siegwerks Richtung Stadt, Foto 1998
Der Mühlengraben unterhalb des Siegwerks Richtung Stadt, Foto 1998
Blick auf den Mühlengraben, im Vordergrund angeschnitten, die Brücke der Mühlenstraße, um 1910
Blick auf den Mühlengraben, im Vordergrund angeschnitten, die Brücke der Mühlenstraße, um 1910
Historische Postkarte vom alten Mühlenviertel, um 1919. Die im Bild angeschnittene Kirche ist die im Zweiten Weltkrieg zerstörte evangelische Stadtkirche.
Historische Postkarte vom alten Mühlenviertel, um 1919. Die im Bild angeschnittene Kirche ist die im Zweiten Weltkrieg zerstörte evangelische Stadtkirche.

An den Mühlen, die schöne Parkanlage fiel dem Neubau des Kreishauses zum Opfer, historisches Dia um 1965.
An den Mühlen, die schöne Parkanlage fiel dem Neubau des Kreishauses zum Opfer, historisches Dia um 1965.
Rückblick über den Mühlengraben auf die Stadt, links das ansteigende Gelände des Brückbergs, um 1920.
Rückblick über den Mühlengraben auf die Stadt, links das ansteigende Gelände des Brückbergs, um 1920.