Ausstellung 15

Unser Fasteloovend - Ein Rückblick

"Zuerst waren es eigentliche Franzosen, später kamen Marokkaner und zeitweise selbst schwarze Neger."

Unfreiwillige Komik offenbaren die handgeschriebenen Aufzeichnungen des früheren Priors Liborius Hardebusch über die Besatzung Siegburgs nach dem Ersten Weltkrieg und die einhergehende Okkupation des Klosters auf dem Michaelsberg. Über dem Eingangsportal der Abtei prangten gar die Worte "Caserne de la Marne". Insbesondere Angehörige der Kolonialtruppen hinterließen nachhaltigen Eindruck. Hardebusch: "Viele Besucher des Berges, die mit den Verhältnissen nicht vertraut waren, getrauten sich nicht, an den unheimlichen schwarzen, braunen oder gelben Posten mit aufgepflanztem Seitengewehr vorbei, durch den Torweg zum Kloster oder zur Kirche zu gehen." Am 1. Februar 1920 zogen die französischen Truppen nach den Engländern ein. Bis zu 1 500 Soldaten lebten in der Stadt. Bei ihnen handelte es sich zum größten Teil um Kolonialtruppen aus Nordafrika, das 28. Tunesische Tiralleur-Regiment zählte in der ersten Hälfte der 20-er dazu. Erst am 29. Januar 1926 zogen nachmittags die letzten französischen Besatzungstruppen ab. In Siegburg läuteten die Glocken, die Bevölkerung feierte. Und verarbeitete das Gewesene ein Jahr später im Karneval. Mit schwarzgerußten Gesichtern, orientalisch anmutendem Fes auf dem Kopf und geschultertem Spielzeuggewehr marschierten die Jecken im Rosenmontagszug um den Markt – als französisch-orientalische Phantom-Besatzung. In dichtgedrängten Reihen verfolgten die Schaulustigen damals am unteren Markt den Zoch, wie das nachfolgende zeitgenössische Bild 2 vom Standort des heutigen Museums in diesem Album dokumentiert. "Unser Fasteloovend" - Ausstellung 15 unseres Online-Albums blickt zurück in die jecke Historie. Da finden sich ein um das Jahr 1960 recht offensiv bützender Bürgermeister Hubert Heinrichs ebenso wie ein mit Gefolge von der Treppe des alten Rathauses in der Mühlenstrasse grüßender "Prinz Karneval" der 30er Jahre. Auch ein Blick in die städtebauliche Geschichte ist die Bildersammlung aus dem Stadtarchiv: Die alte Schützenburg, dort steht seit den 60-er Jahren das Rathaus, findet sich mit berittener Prinzengarde davor, und beim bunten Treiben der Funken ist die alte Bebauung der Marktsüdseite zu erkennen. Es gibt Bilder des Veedelszochs auf dem Stallberg aus den 50-ern, viel ältere der KG Sonnenschein mit Kutsche und Pferden in der Luisenstraße und eine Aufnahme aus dem Wolsdorfer Veedelszoch, als, wohl 1960, die Jecken den im Sommer zuvor die Menschen begeisternden Siegburg-Besuch von Konrad Adenauer und US-Präsident Eisenhower aufgegriffen: Im Papp-Auto, als "Conny" und "Ike".