Spritze auf 2 Rädern

Die Löschgruppe 3 aus Wolsdorf blickt auf eine lange Tradition zurück

„Durch geordnetes Zusammenwirken bei Feuergefahr Leben und Eigentum nach Möglichkeit zu schützen“, war das in der Gründungssatzung 1881 festgelegte Ziel der Feuerwehr. Die eher genossenschaftlich organisierten Löschversuche der Vorzeit, so verzeichnen alte Chroniken, hatten die Stadt „mehrfach in große Gefahr“ gebracht. Ihr erstes Spritzenhaus bezog die Wehr am Markt neben dem heutigen Museum. 1897 wurde ein zweiter Löschzug für die Nordstadt mit einem neuen Spritzenhaus in der Weierstraße gegründet. Dritter Löschzug wurde am 10. Dezember 1899 die Wehr des eingemeindeten Wolsdorf. Erhaltene Lagerbücher und Katasterunterlagen belegen aber, dass es mindestens 37 Jahre vor der offiziellen Gründung, ab 1862, einen Löschzug in Wolsdorf gegeben hat.

In jenem Jahr, Otto von Bismarck wurde preußischer Ministerpräsident und US-Präsident Lincoln verbot in den Südstaaten die Sklaverei, wurde für Baukosten in Höhe von exakt 348,30 Mark ein kleines Spritzenhaus errichtet. Zum Inventar zählten eine zweirädrige Spritze nebst zugehörigem Schlauchmaterial, ein Standrohr sowie eine zweite Spritze mit Zubehör, dazu Schaufel und Axt. Damals waren 20 Wehrleute in Wolsdorf aktiv, aufgegliedert in vier Gruppen: Die Steiger-, Spritzen-, Wasser- und die Ordnungsabteilung. Mit den Jahren wurde das Spritzenhaus zu klein. Am 18. Juni 1900 beschloss der Siegburger Stadtrat, die Gerätschaften des Löschzuges 3 im Keller der Grundschule Wolsdorf unterzubringen. Die Kosten des Umbaus betrugen 50 Mark. Am 7 Juni 1953 wurde die Feuerwache an der Zeithstraße in Betrieb genommen, in dem während der 80er-Jahre niedergelegten Gebäude fanden auch die Wolsdorfer ihr Domizil. Heute verfügt die Löschgruppe 3 über eigene Räume in der 1980 gebauten Feuerwache am Neuenhof. 30 aktive Wehrleute und neun Mitglieder der Ehrenabteilung gehören dazu. Regelmäßige zweiwöchentliche Übungsabende vertiefen die fachlichen Fertigkeiten. Das Spektrum ist anspruchsvoll und reicht von der Brandbekämpfung über Technische Hilfeleistung bis hin zu Einsätzen mit gefährlichen Stoffen und Gütern.

Zusammengehörigkeit ist in der Wolsdorfer Löschgruppe auch außerhalb des Übungs- und Einsatzbetriebes wichtig. Jedes Jahr steigt eine große Karnevalsfete. Die Zahl der Jecken ist so groß, dass der Löschzug einen eigenen Karnevalsverein, die „Wolsdorfer Funkentöter“, gründete. Im Januar jeden Jahres beginnt der Bau eines Karnevalswagens, nach dem jeweiligen Motto werden die Kostüme ausgesucht. Die „Funkentöter“ sind im Veedelszoch und beim Rosenmontagszug dabei. Als ortsverbundener Verein ist die Feuerwehr bei der Kirmes präsent, auch bei der traditionellen Kranzniederlegung der im Krieg gefallenen Wolsdorfer. Regelmäßig geht es zum 24-Stunden-Rennen zum Zelten und Grillen an den Nürburgring. Und einen schon legendären Ruf hat das alljährliche Feuerwehrfest der Löschgruppe am Riemberg. Jedes zweite Jahr geht es mit den Partnern auf eine Wochenendtour, Hamburg und München waren bereits Ziele. Und beim Familientag sind die Pänz dabei, in diesem Jahr ging es in den Panorama-Park. Weitere Festlichkeiten und Wettbewerbe stehen auf dem Programm, „langweilig“, so die Wolsdorfer Wehrleute, „wird es uns nie“.

Wer Lust und Interesse hat, ist zu einem unverbindlichen Besuch eines Übungsabends eingeladen. Nähere Infos beim Löschgruppenführer Michael Meyer unter Ruf 62861 erfragen.


Eine zweirädrige Spritze war um 1860 der Stolz der Wosldorfer Feuerwehr
Eine zweirädrige Spritze war um 1860 der Stolz der Wosldorfer Feuerwehr
Die Löschgruppe 3 vor der Feuerwache am Neuenhof
Die Löschgruppe 3 vor der Feuerwache am Neuenhof