Kein Einsatz ohne Ehefrau

Rückte die Feuerwehr in den Nachkriegsjahren aus, musste die Gattin des Wachleiters die Zentrale übernehmen

Mit einem bunten Tag der Offenen Tür feierte die Feuerwehr Siegburg ihr 125-jähriges Bestehen. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher informierten sich. Eine Ausstellung historischer Einsatzfahrzeuge fand großes Interesse.
Die Anfänge einer offiziellen Feuerwehr in Siegburg reichen zurück ins Jahr 1881. „Durch geordnetes Zusammenwirken bei Feuergefahr Leben und Eigentum nach Möglichkeit zu schützen“, lautete die Zielvorgabe der Gründungssatzung. Die eher genossenschaftlich organisierten Löschversuche der Vorzeit, so verzeichnen alte Chroniken, hatten die Stadt „mehrfach in große Gefahr“ gebracht. Ihr erstes Spritzenhaus bezog die Wehr am Markt neben dem heutigen Museum. Mit dem Bruch des Siegdammes im Spätherbst 1891, als 40 Wehrmänner eine flächendeckende Überschwemmung Siegburgs verhindern konnten, begann eine Erweiterung der Aufgaben und Herausforderungen – zur reinen Feuerbekämpfung kamen vielfältige Hilfeleistungen. 1931 lautete die offizielle Aufgabenbeschreibung der Wehr in Siegburg: „Bekämpfung von Bränden, von Wald und Heidebränden, Beistand bei Wassernot, Sturmverheerungen und Erdbeben, Hilfe bei Gasunglücken, Explosionen und Eisenbahnunfällen, Bergung und Abtransport von Menschen, sowie lebendem und totem Inventar, Aufräumungsarbeiten, Sicherstellung und Transport von Verpflegung, Trinkwasser.“ Eines ist bis heute geblieben: Die Feuerwehr ist immer da, wenn die Dinge aus dem Ruder zu laufen drohen.
Heute ruht der Schutz für Leib und Leben, Hab und Gut der Bürgerinnen und Bürger auf zwei Säulen: Den ehrenamtlichen Löschgruppen Innere Stadt, Brückberg, Wolsdorf, Stallberg und Kaldauen mit rund 120 Einsatzkräften sowie den 36 Mitarbeitern der hauptamtlichen Wache. Beide Zweige bilden eine erfolgreiche Einheit, deren Leiter Thomas Glatz ist.

Die hauptamtliche Wache wurde 1945 nach britischem Vorbild als Feuer- und Rettungswache gegründet, war mit sechs Mitarbeitern somit auch für Krankentransport und Rettungsdienst zuständig. Untergebracht wurde die Feuer- und Rettungswache im heutigen Gebäude der Turnhalle an der Nordschule Bambergstraße. Alle bis daher vorhandenen Gerätehäuser wurden mit dem Ziel der Zentralisierung aufgegeben.
Reparaturen und Improvisationen prägten – wie überall im Lande – die ersten Nachkriegsjahre. Ersatzteile wurden auf dem Tauschwege beschafft oder in Eigenleistung angefertigt. Die personelle Besetzung der Wache war damals schwach: Rückten die Kräfte zum Einsatz aus, musste die Ehefrau des Wachleiters die ansonsten verwaiste Zentrale übernehmen.

Die Geschichte der Feuerwehr ist geprägt durch ein wachsendes Aufgabenspektrum und zunehmende Professionalisierung. Heute werden weitaus höhere Anforderungen an die Ausbildung, Kenntnisse und Qualitätsstandards gestellt. Hohes Verkehrsaufkommen auf Straße und Schiene, der Transport gefährlicher Handels- und Produktionsgüter bergen Gefahren und verlangen einen gewaltigen Aufwand an Technik und Know-how. Der moderne Fahrzeug- und Gerätepark in Siegburg lässt kaum Wünsche offen.

Nachdem die Feuerwehr von 1953 an lange Jahre in einem Anfang der 90-er Jahre niedergelegten Gebäude an der Zeithstraße beheimatet war, hat sie seit den 70-er Jahren in einem modern angelegten Gebäude am Neuenhof ihren Standort. Hier sind auch die Löschgruppen 4 und 5 untergebracht. Die Aufgaben der hauptamtlichen Kräfte sind breit gespannt. Ihnen obliegen neben kleineren Einsätzen die Erstmaßnahmen bei größeren Einsätzen, anschließend unterstützt von ehrenamtlichen Kräften und/oder anderen Feuerwehren. Die Pflege, Reparatur und Wartung der Fahrzeuge und des umfassenden Gerätebestandes erfordert Zeit und Aufwand. Im Ernstfall kann sie über Leben und Tod entscheiden. Die hauptamtliche Wehr ist für die Durchführung des Rettungsdienstes ebenso zuständig wie für das weite Feld der Ausbildung, auch der ehrenamtlichen Kräfte. „Wir können in unserer Stadt auf schnelle und qualifizierte Hilfe vertrauen“, weiß Bürgermeister Franz Huhn.


Auch Reiher rettet die Wehr
Auch Reiher rettet die Wehr
Die Feuerwache in der Zeithstraße im Jahre 1953
Die Feuerwache in der Zeithstraße im Jahre 1953
Komplizierte Sicherheitsübung im Innenhof der Abtei
Komplizierte Sicherheitsübung im Innenhof der Abtei

Einsatz am Neuenhof: Franz Huhn und Thomas Glatz im Feuerwehr-Oldtimer
Einsatz am Neuenhof: Franz Huhn und Thomas Glatz im Feuerwehr-Oldtimer