1954, März 30

Einweihung des Städtischen Neusprachlichen Mädchengymnasiums mit Frauenoberschule an der Alleestraße, heute Gymnasium Alleestraße

Das durch Kriegszerstörungen heimatlos gewordene Mädchengymnsium erhält im Neubau an der Alleestraße eine neue Bleibe, die den pädagogischen Anforderungen der Zeit entspricht.

Um für das neue Schulhaus einen möglichst guten Entwurf zu erhalten, schrieb die Stadt einen Wettbewerb aus, aus dem die Architekten Hans Brandt und Eberhard Vogel aus Marienheide als Sieger hervorgingen. Ihrem zukunftsweisenden Entwurf verdankt die Stadt Siegburg ihr gerühmtes, fortschrittliches „Backfischaquarium“. Die Bauarbeiten begannen im Frühjahr 1952. In vier Bauabschnitte unterteilt, konnte das neue Schulhaus in zwölf Jahren fertig gestellt werden. Im September 1953 wurde das Mädchengymnasium mit zwei Klassenflügeln, Lehrsälen und Verwaltungstrakt eingeweiht. Im April 1956 konnten der dritte, dreigeschossige Klassentrakt und die Sporthalle in Betrieb genommen werden. Im Sommer 1959 wurden die Wirtschaftsräume der inzwischen etablierten Frauenoberschule fertig. 1964, rechtzeitig zum 900-jährigen Stadtjubiläum, konnte die Aula, die gleichzeitig auch als Festhalle für die Stadt konzipiert war, mit einem Festakt ihrer Bestimmung übergeben werden. Mit diesem Bau stand der Siegburger höheren Mädchenbildung zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein Schulgebäude zur Verfügung, das den pädagogischen Anforderungen der Zeit entsprach.
Das „Backfischaquarium“ ist ein Schulhaus von außergewöhnlicher Qualität. Nach den dunklen Jahren einer autoritären, von der Politik missbrauchten Erziehung sollte der 1950-51 geplante, lichtdurchflutete und unkonventionell gegliederte Schulbau mit seinen achteckigen Klassenräumen einen Neuanfang in der Erziehung garantieren. In zeitgenössischen Bewertungen wurde deshalb vor allem die Modernität des Gebäudes beschworen, die in den neuen und experimentellen architektonischen Formen zum Ausdruck kommt. Der letztlich auf die Baukonstruktion bezogene Spitzname „Backfischaquarium“ umschreibt treffend die damals immer wieder gerühmten Qualitäten der Transparenz und Offenheit, die vom Düsseldorfer Aufbauministerium als ungewöhnlicher und interessanter, neuer Weg im Schulbau gewertet wurden.
Elisabeth Knauer-Romani: Das Siegburger "Backfischaquarium". In: Siegburger Blätter Nr. 31, 2011


Stahlbetonskelett des Turms, Baustelle 1952
Stahlbetonskelett des Turms, Baustelle 1952
Postkarte von der neuen Schule, um 1957
Postkarte von der neuen Schule, um 1957
So sieht es im Innern eines runden (genau genommen: achteckigen) Klassenpavillions aus. Mit 1700 Quadratmeter Glasfläche ist die moderne Schule dem Tageslicht zugewandt.
So sieht es im Innern eines runden (genau genommen: achteckigen) Klassenpavillions aus. Mit 1700 Quadratmeter Glasfläche ist die moderne Schule dem Tageslicht zugewandt.
Unterricht im Physiksaal, 1954
Unterricht im Physiksaal, 1954

Ballspielende Schülerinnen auf dem Spielrasen, um 1944
Ballspielende Schülerinnen auf dem Spielrasen, um 1944

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