1962, September 23

Aufstellen des Gedenksteins für die ausgelöschte Siegburger Synagogengemeinde auf dem jüdischen Friedhof

Mit dem Aufstellen eines ersten Gedenksteins für die ausgelöschte Synagogengemeinde beginnt in Siegburg die Kultur des Erinnerns.

Zwanzig Jahre nach der Deportation der letzten noch in Siegburg in strenger Kasernierung lebenden Jüdinnen und Juden, am 23. September 1962, versammelten sich Bürger und Vertreter der Stadt auf dem jüdischen Friedhof an der Heinrichstraße, um durch das Aufstellen eines Gedenksteines der untergegangenen Siegburger Synagogengemeinde zu gedenken, zu einer Zeit, die noch nahe an den Geschehnissen des Holocaust grenzend, eher dem Verschweigen als dem Erinnern gewidmet war.
Bürgermeister Hubert Heinrichs sprach: „Unser Zusammensein hier und heute hat den Sinn, die Erinnerung an unsere Mitbürger jüdischen Glaubens wachzuhalten. Zum äußeren Zeichen dafür setzen wir einen Gedenkstein. Möge das Dauerhafte seines Materials Sinnbild dafür sein, dass auch die Erinnerung an unsere jüdischen Mitbürger in unserem Herzen dauert. … Die Verfolgungen dieses Jahrzehnts, des dunkelsten der deutschen Geschichte, war nicht mehr wie im Mittelalter spontan, nicht mehr getragen von einzelnen Fanatikern, sie waren das Resultat von kühler Berechnung und wurden von einem unmenschlichen und unbarmherzigen Staatsapparat durchgeführt. Hilfe einzelner Mutiger war immer mit Gefahr für Leib und Leben verbunden.“ Schließlich übergab er den Gedenkstein mit folgenden Worten seiner Bestimmung: „Möge er die Jahrhunderte Überdauern und späteren Generationen Zeugnis dafür ablegen, dass in unseren Tagen endlich alle Vorurteile den Juden gegenüber überwunden sind. Dass wir, die wir hier stehen, nur noch das Gemeinsame sehen, das uns mit allen Mitbürgern jüdischen Glaubens verbindet.“
Andrea Korte-Böger: Wider das Vergessen. In: Siegburger Blätter Nr. 20, 2008


Der Gedenkstein, Foto nach der Aufstellung 1962
Der Gedenkstein, Foto nach der Aufstellung 1962
Der Gedenkstein im Eingangsbereich, Foto 2004
Der Gedenkstein im Eingangsbereich, Foto 2004
Impression vom jüdischen Friedhof, Sommer 2002
Impression vom jüdischen Friedhof, Sommer 2002