1384

Urkundliche Ersterwähnung der Aulgasse

In den Urkunden von Stadt und Abtei Siegburg wird der Töpfervorort "Aulgasse" erstmals benannt.

„Aulgasse – das ist aber ein ungewöhnlicher Name“, hört man des Öfteren von Stadtfremden. Er gehört eben nicht zu den Namen, die sich sofort erschließen. ... Der Name stammt aus dem Mittelalter, in dem die gebildeten Kirchenleute lateinisch sprachen. Das hörte das einfache Volk, übernahm Begrifflichkeiten, verschliff sie aber mundartlich, so dass ganz neue Worte entstanden, denen man die lateinische Sprachwurzel nicht mehr anhört. So war das auch mit der Aulgasse, deren Namensbestandteil „Aul-“ sich vom lateinischen „olla“ der Topf ableitet; denn in dieser Gasse lebten und arbeiteten die Siegburger Töpfer, die Aulner oder Ulner, wie man sie, sie sich aber auch selbst, nannten. Bereits im Jahre 1384 wird die Gasse erstmalig in den Urkunden der Stadt genannt, die, obwohl zu Siegburg gehörig, doch deutlich vor dem mittelalterlichen Stadtmauerring lag und zu ihm auch keine Verbindung hatte. ... Der Töpfervorort, so die stadttopographischen Forschungen, umfasste wohl eine Länge von rund 600 Metern. Das kleine Gemeinwesen schützte sich mit einer eigenen Zaun-, Hecken-, vielleicht auch Wallanlage, die aber natürlich bei weitem nicht den Schutz der gemauerten Stadtmauer bieten konnte. So wissen wir aus kriegerischen Zeiten auch von zahlreichen Zerstörungen, in denen die Stadt mehr oder minder ungeschoren blieb, die Aulgasse aber in Schutt und Asche gelegt wurde. Zugang erhielt man durch zwei kleine Tore, die der Stadt zugekehrten Klixpforte und die am oberen Ende Richtung Lohmar liegende „Hammeidenportz“.
In früheren Jahrhunderten siedelten die Handwerker dort, wo sie ihr Arbeitsmaterial fanden; ... Rechts und links der Aulgasse treten auf Grund geologischer Gegebenheiten große Tonlagerstätten an die Oberfläche, die heute entweder überbaut, zumeist in historischen Zeiten aber fast restlos ausgebeutet wurden. Auch davon zeugt noch ein alter Straßenname: die Dohkaule. Dieser Name setzt sich aus zwei Begriffen zusammen: „Da, Dae“ ist der Ton und „Kaule“, leichter erkennbar, die Kuhle, mithin ist die Dohkaule der Ort, wo es Tonkuhlen, sprich Tongruben gab. Falls nicht im Gebiet der Aulgasse fanden hier die Töpfer ihr Rohmaterial für ihre Erzeugnisse, leicht und in unmittelbarer Nähe zu ihren Werkstätten. Das heißt, die ganze Region nördlich der Stadt, war geprägt vom Töpferhandwerk. Andrea Korte-Böger: Die Siedlung der Töpfer, einst vor der Stadt. In:


Noch in den 1960er Jahren standen in der Aulgasse kleine, aus der Zeit der Töpfer stammende Häuschen. Foto um 1960
Noch in den 1960er Jahren standen in der Aulgasse kleine, aus der Zeit der Töpfer stammende Häuschen. Foto um 1960
Viele Häuser wurden abgerissen. Hier Aulgasse 8, unter dem sich ein mittelalterlicher Keller mit kleinem Brunnen befand, der unter Denkmalschutz gestellt wurde. Foto 1975
Viele Häuser wurden abgerissen. Hier Aulgasse 8, unter dem sich ein mittelalterlicher Keller mit kleinem Brunnen befand, der unter Denkmalschutz gestellt wurde. Foto 1975
Die Aulgasse, Foto 1988
Die Aulgasse, Foto 1988
Siegburger weiße Ware, Produktion aus der Aulgasse in der Zeit der Renaissance, heute begehrte Sammlerstücke, Foto 1997
Siegburger weiße Ware, Produktion aus der Aulgasse in der Zeit der Renaissance, heute begehrte Sammlerstücke, Foto 1997