1875, Juni 15

Eröffnung der Königlich Preußischen Geschossfabrik in der Gemarkung Haufeld

Mit dem Guss einer 26-cm-Granate wird die Königlich Preußischen Geschossfabrik in der Gemarkung Haufeld eröffnet und nimmt ihre Produktion an Artilleriemunition auf. Bis zur Jahrhundertwende wird Siegburg zum größten Rüstungsstandort im Preußischen Königreich.

Kurz nach dem siegreichen Krieg von 1870/71 gegen Frankreich und der Gründung des Deutschen Reiches begann das Königreich Preußen seine bereits bestehenden staatseigenen Betriebe der Rüstungsindustrie, die preußischen Heereswerkstätten, auszubauen, bzw. neue anzulegen. Die Wiege und die Zentrale aller preußischen Institute, wie sie damals genannt wurden, stand in Spandau in der Nähe von Berlin. Zu den Heereswerkstätten gehörten Gewehr-, Munitions-, Pulverfabriken, Geschützgießereien, Geschützfabriken, Feuerwerks-Laboratorien und Artielleriewerkstätten. Sie waren dem Kriegsministerium unterstellt, von Offizieren geleitet und von Feldzeugmeistern nach kameralistischen Gesichtspunkten verwaltet. Die Werke hatten wenig Eigenverantwortung und waren in allen wichtigen Entscheidungen von Berlin abhängig. ... Was war nun der Grund für den preußischen Kabinettsbeschluß, Siegburg als Standort für eine staatliche Geschoßfabrik auszuwählen? Maßgeblich sind in erster Linie strategische Gesichtspunkte gewesen. Der Rhein galt zur damaligen Zeit als naturgegebene Verteidigungslinie in einer wieder erwarteten Auseinandersetzung zwischen dem Deutschen Reich und dem "Erzfeind" Frankreich. Siegburg lag weit genug vom Strom entfernt, um nach dem Stand der damaligen Wehrtechnik nicht in eventuelle Kampfhandlungen mit einbezogen zu werden, war aber noch nahe genug an dieser Verteidigungslinie gelegen, um einen schnellen Nachschub an Munition zu gewährleisten. ... Ein weiterer Grund für die Errichtung der Geschoßfabrik in Siegburg war das Vorhandensein eines großen Arbeitskräftepotentials, das aus Siegburg und seiner ländlichen Umgebung stammte. Man benötigte in erster Linie ungelernte Kräfte, die angelernt wurden. Das Führungspersonal und die Fachkräfte wurden von der Zentrale in Spandau geschickt. ... Das Projekt wurde in unwahrscheinlich kurzer Zeit aus dem Boden gestampft. Hans Warning: Siegburg und die Königliche Werke. Siegburg 1997


Das Werk im Bau, um 1873
Das Werk im Bau, um 1873
Blick vom Michaelsberg. Die Produktion hat schon begonnen, es wird aber auch noch gebaut, um 1880.
Blick vom Michaelsberg. Die Produktion hat schon begonnen, es wird aber auch noch gebaut, um 1880.
Postkarte, gelaufen 1915
Postkarte, gelaufen 1915
Im Werk, um 1915
Im Werk, um 1915

Fertige Munition zum Abtransport in der Industriestraße im Werk gestapelt, um 1915
Fertige Munition zum Abtransport in der Industriestraße im Werk gestapelt, um 1915
Siegburg, ein Industriestandort, um 1915
Siegburg, ein Industriestandort, um 1915

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