1854, September 1

Geburt des berühmten Komponisten Engelbert Humperdinck als Lehrerssohn in Siegburg

Engelbert Humperdinck wird als erstes Kind Gustav Humperdincks, Lehrer am Progymnasium in Siegburg, und seiner Frau Gertrud, geb. Hartmann, im sog. Humperdinckhaus, heute Stadtmuseum, geboren. Er erlangt mit der 1893 am Opernhaus in Weimar unter der musikalischen Leitung von Richard Strauss welturaufgeführten Märchenoper "Hänsel und Gretel" Weltruhm.

Engelbert Humperdincks Vater, Gustav Ferdinand Humperdinck, war im Siegburger Progymnasium als Lehrer für Deutsch und alte Sprachen angestellt und bewohnte so, dem Usus der Zeit entsprechend, eine mietefreie Dienstwohnung im Schulgebäude. So ist der auf den ersten Blick etwas merkwürdige Umstand zu erklären, dass Engelbert Humperdinck in einer Schule das Licht der Welt erblickte. In dem ehemaligen Schulhaus ist heute das Stadtmuseum beheimatet. Der Vater war es auch, der dem Sohn das literarische Talent vererbte. Die musikalische Begabung hatte Engelbert von seiner Mutter mitbekommen: Gertrud Olivia Humperdinck, geb. Hartmann war die Tochter eines Paderborner Kantors und, wie Humperdinck selbst berichtete „mit einer herrlichen Sopranstimme von bedeutendem Umfang“ gesegnet. Sie unterstützte ihren Sohn Engelbert immer in seinen musikalischen Ambitionen, auch gegen die anfänglichen Vorbehalte des Vaters, der sich nichts mehr wünschte, als dass der Filius die Philologenlaufbahn einschlagen sollte. ...Noch im Alter erinnerte sich Engelbert Humperdinck gerne an seine Siegburger Jahre und an die umfassende humanistische Bildung, die ihm in seinem Elternhause zuteil geworden war. In seinem halbfiktiven „modernen Traummärchen“ mit dem Titel »Die Zeitlose« aus dem Jahre 1921 beschreibt er das von ihm incognito als Zeitreisender geführte, heiter philosophische Gespräch mit „Vater Gustav“ und „Mama Gertrud“ über das Nausikaa-Abenteuer des Odysseus. Neben der in dieser Geschichte enthaltenen Erinnerungen an Kindheit und Elternhaus hinaus gibt die in sechs Episoden unterteilte Novelle beredtes Zeugnis über Humperdincks veritable Fähigkeiten auf dem Gebiet der Belletristik.
Zudem ist das Büchlein ein Dokument für seine aufrichtige Liebe zur Heimatstadt Siegburg. Die Plätze und Gebäude, die in diesem „Modernen Traummärchen“ wie Humperdinck es nennt, vorkommen, sind teilweise heute noch zu besichtigen: es ist die Rede vom Elternhaus am Siegburger Marktplatz, vom Gasthof „Zum Stern“ oder auch von der Servatiuskirche.
Bernd Distelkamp: Der literarische Engelbert Humperdinck. In: Heimatblätter für den Rein-Sie-Kreis 26. Jg 2008


Engelbert Humperdinck mit Mutter Gertrud und Schwester Ernestine, Foto vermutlich Siegburg 1864
Engelbert Humperdinck mit Mutter Gertrud und Schwester Ernestine, Foto vermutlich Siegburg 1864
Drei Generationen v.l.n.r.: Gustav Humperdinck, Wolfram Humperdinck und Engelbert Humperdinck, um 1900
Drei Generationen v.l.n.r.: Gustav Humperdinck, Wolfram Humperdinck und Engelbert Humperdinck, um 1900
Postkarte, um 1900
Postkarte, um 1900
Engelbert Humperdinck verstarb am 27. September 1921 in Neustrelitz, Bild vom Totenbett.
Engelbert Humperdinck verstarb am 27. September 1921 in Neustrelitz, Bild vom Totenbett.

Postkarte mit den Kindern seiner Schwester Adelheid, verh. Wette, in den Rollen von Hänsel und Gretel, um 1900
Postkarte mit den Kindern seiner Schwester Adelheid, verh. Wette, in den Rollen von Hänsel und Gretel, um 1900