1964, Juli 30

Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Alfred Keller für seine Verdienste zum Wohl der Stadt und seiner Bürger

Alfred Keller, Inhaber der Siegwerk Farbenfabrik, verleiht die Stadt Siegburg die Ehrenbürgeschaft als Anerkennung seines Verständnisses für die Anliegen bedürftiger Bürger, seiner Förderung aller kulturellen Bestrebungen und seiner Sorge um die Schaffung von Wohnraum.

Am 24.9.1964, in der letzten Sitzung vor den Kommunalwahlen, hat unser Stadtrat beschlossen in einer Sondersitzung Mitbürger zu ehren, die sich um die Stadt verdient gemacht haben. ... Nicht wenige Bürger sind heute sehr kritisch und skeptisch gegenüber einer, wie man vielleicht meinen könnte, allzu großen Fülle von Ehrungen, Ehrenzeichen, Auszeichnungen, die im Verlaufe der Jahre in unserer Bundesrepublik geschaffen und verliehen wurden. Diese Kritik und Skepsis hat ihre Wurzel aus der Zeit und von dort, wo der Staat Menschen auszeichnete oder auch heute noch auszeichnet, die als Handlanger bestimmter Mächte und Systeme willfährig Befehle ausführten und Werkzeug waren. Ich erinnere mich noch selbst, obwohl sehr jung damals in Zeiten, wo für den gesund denkenden Bürger jede vom Staat verliehene Auszeichnung als Schimpf und Schande betrachtet wurde. Der Begriff der Ehre bekam einen verdächtigen Beiklang. Nach dem Kriege dauerte es erst eine Zeit, bis wieder neu Verdienstorden und Ehrungen in unserer freien demokratischen Gesellschaft möglich wurden, denn es ist natürlich, menschlich und auch richtig. ... Es sind die Bürger, die wir heute ehren - Sie werden mir sicher zustimmen - auch Symbol für die Gott sei Dank große Schar unserer Mitmenschen, die ebenfalls an dem Platze, an den sie gestellt sind, mehr getan haben und tun, als ihre Pflicht ist. Wenn wir heute einige Bürger in Ehren herausstellen, dann sollte die ganze Stadt und jeder Bürger sich mitgeehrt fühlen, sollte mit stolz und glücklich sein, daß Bürgerbewußtsein, Zusammengehörigkeitsgefühl, daß Wissen um die Gemeinschaft unserer Stadt bei uns zu Hause sind. ... Verehrter Herr Keller ... Ihrem Bürgesinn hat die Stadt viel zu verdanken.Das Werk, an dessen Spitze Sie stehen, arbeitet in Siegburg schon weit über ein Jahrhundert ... Aus den Erträgen, die Sie und Ihre Mitarbeiter im Werk erzielten, haben Sie eine Einrichtung für die Bürgerschaft geschaffen, die sich im Bereich der Kultur, der Pflege des geistigen Menschseins, niedergeschlagen und reiche Frucht gebracht hat. Damit haben Sie Mäzenatentum bewiesen, Kunst und Wissenschaft gefördert. Die Stadt Siegburg hat es Ihnen zu verdanken, daß sie heute eine Stadtbücherei besitzt, die vorbildlich ist. Die Bürgerschaft benutzt Ihr Geschenk dankbar, wie die große, immer noch ansteigende Zahl der Leser beweist. Rede des Bürgermeisters Adolf Herkenrath in der Sondersitzung des Stadtrates am 21. Oktober 1964 im Saal des Museums


Ehrenbürgerbrief für Alfred Keller
Ehrenbürgerbrief für Alfred Keller
Bürgermeister Herkenrath bei seiner Rede und dem Verlesen des Urkundentextes am 21.10.1964
Bürgermeister Herkenrath bei seiner Rede und dem Verlesen des Urkundentextes am 21.10.1964
Beim Festakt am 21.10.1964, v.r.n.l.: Eleonore Keller, Gattin des neuen Ehrenbürgers, Alfred Keller, Abt Ildefons Dr. Schulte Strathaus, Ehrenbürger der Stadt seit 1955, Bürgermeister Adolf Herkenrath, William Pohl, Kepec Werke, Siegburg
Beim Festakt am 21.10.1964, v.r.n.l.: Eleonore Keller, Gattin des neuen Ehrenbürgers, Alfred Keller, Abt Ildefons Dr. Schulte Strathaus, Ehrenbürger der Stadt seit 1955, Bürgermeister Adolf Herkenrath, William Pohl, Kepec Werke, Siegburg
Ehrenbürger mit Bürgermeister im Gespräch, 21.10.1964
Ehrenbürger mit Bürgermeister im Gespräch, 21.10.1964