2017, Mai 04

Von weitem ist der Helikopter zu hören, der Angela Merkel um Viertel vor zwei nach Siegburg bringt. "Die Abtei drängt sich ja wirklich dem Blick auf", schildert sie wenig später ihr Anflugerlebnis. Mit der dunklen Audi-Limousine geht's von der Brückberg-Kaserne durch die Stadt hinauf auf den Berg. Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki begrüßt Merkel und weist auf dem Gang durch die fast 1000-jährige Abtei auf Besonderheiten hin. Dann treten sie hinaus auf die Dachterrasse, wo zwei KSI-Mitarbeiter schon länger das rote Eröffnungsband in den kräftigen Wind halten. Scheren werden gereicht, das Band ist durchtrennt, das Katholisch-Soziale Institut offiziell eröffnet. Der in Stücke geschnittene Stoff wird Prof. Dr. Ralph Bergold, Direktor des KSI, und Pater Rockson von den Unbeschuhten Karmeliten anvertraut. "Für die Asservatenkammer", sagt die Kanzlerin trocken. Im Anschluss tragen sich Merkel und Woelki ins Goldene Buch der Stadt Siegburg ein. Bürgermeister Franz Huhn trägt zur Feier dieses besonderen Tages die Amtskette.

Den KSI-Leitspruch "Pro hominibus constitutus", für den Menschen bestellt, untersucht der Kardinal in seinem Redebeitrag. Nach dieser Leitlinie richte sich nicht nur das KSI aus, daran müssten sich insgesamt Politik, Parteien und Kirchen halten. Das gelte gerade im Hinblick auf die steigende Anzahl der Menschen in unserem Land, die sich abgehängt fühlten und nun durch die technische Durchdringung der Arbeitswelt in noch größere Schwierigkeiten gerieten. Woelki verweist auf die Pläne von Amazon, in den riesigen Lagerhallen künftig Roboter die Waren aus den Regalen holen zu lassen, spricht an, dass die Mitarbeiter, die wegen der Maschinen um ihre Arbeitsplätze bangen würden, täglich mindestens 12 Kilometer zu Fuß abspulten. "Aber vielleicht finden sie hierin ihre Erfüllung, weil dies genau dem Talent entspricht, das Gott ihnen gegeben hat."

Auch die Kanzlerin greift den Wandel auf, in dem wir uns befinden, den wir aber nicht passiv hinnehmen, sondern gestalten sollen. "Dafür brauchen wir Prinzipien und Kriterien, auf deren Grundlage wir entscheiden. Den richtigen Ausgangspunkt bietet das christliche Menschenbild." Stichwort Bildung: Wir lernen nicht mehr nur im ersten Lebensviertel, lebenslange Wissensaneignung sei vonnöten. "Wir sollten Schule und Bildung positiver besetzen. Bei der Einschulung sprechen wir vom 'Ernst des Lebens', das klingt eher abschreckend." Das KSI als Ort der beruflichen Weiterbildung werde den neuen Anforderungen gerecht.

Stichwort Medienkompetenz: "Das KSI hat schon in den 1990er Jahren diesen Zweig eingerichtet", sagt die Kanzlerin, die gesteht, dass der tägliche Strom der Nachrichten auf unzähligen Kanälen sie bisweilen überfordere. "Man hört eine Schreckensmeldung, die den Tag beherrscht. Vier oder fünf Tage später ist davon keine Rede mehr. Man fragt sich, was ist eigentlich aus diesem Ereignis geworden?"

Die Kanzlerin, der der Satz "Das Internet ist für uns Neuland" lange nachhing, hat die Digitalisierung mittlerweile als großes Thema auf ihrer Agenda. Wie tief kleine und große Computer, ständig "an" der Frau oder am Mann, ständig in Betrieb, uns veränderten, das sei heute bestenfalls zu erahnen. "Man muss sich schon fragen, ob es gut ist, dass dem Chatpartner auf dem Smartphone häufig mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird als demjenigen, der uns direkt gegenübersteht."

Auszug aus dem Newsletter "siegburgaktuell" zur Eröffnung des Katholisch-Sozialen Institut auf dem Michaelsberg.


04.05.2017 - Merkel-Band

Bild vergrößern Merkel und Woelki schneiden das Eröffnungsband durch.  

0405.2017 - Merkel-Woelki

Bild vergrößern Kardinal Woelki, Kanzlerin Angela Merkel - Eintrag ins Goldene Buch der Stadt.  

05.05.2017 - Merkel-Woelki-Huhn

Bild vergrößern Merkel, Woelki, Huhn