1944, August 23

Erschießung dreier Luxemburger am Uhlrather Hof

Marcel Charpantier, geboren am 17. August 1924 in Rumelange/Rümelingen, Camille Koerner, geboren am 10. November 1924 in Differdange/Differdingen, und Jean Bück, der am 26. November 1920 in Esch-sur-Alzette/Esch an der Alzette das Licht der Welt erblickte, gelangen an einem historischen Tag ins Siegburger Gefängnis an der Luisenstraße. Am 6. Juni 1944, Tag der alliierten Landung an der Küste der Normandie.

Die jungen Luxemburger hatten sich der Zwangsrekrutierung durch die deutsche Wehrmacht entzogen, sich Widerstandskämpfer im Untergrund angeschlossen und waren im Frühjahr 1944 gefangen genommen worden. Durch einen Gnadenerlass wandelt sich ihre Strafe. Aus dem eigentlich sicheren Todesurteil wird langjährige Zuchthaushaft.

Die Siegburger Haftanstalt ist zu diesem Zeitpunkt übervoll. Ursprünglich für 700 Inhaftierte ausgelegt, befinden sich im Sommer 1944 mehr als 3.000 Menschen hinter Gittern. Es sind politische Gefangene aus Deutschland und nahezu allen besetzten Gebieten Europas, die wegen Straftatbeständen wie "Hochverrat", "Wehrkraftzersetzung", "Unerlaubter Feindkontakt" oder "Deutschfeindliche Propaganda" einsitzen. Viele von ihnen werden zu harter körperlicher Zwangsarbeit auf den umliegenden Feldern und in der Fabrik der Rheinischen Zellwolle eingeteilt, wo Unfälle mit chemischen Materialien und Vergiftungen durch Dämpfe an der Tagesordnung sind. Die drei Luxemburger schuften in den Werkstätten im Gefängnis, zu denen Schreinerei, Schusterei und Schneiderei gehören.

Ein politisches Attentat am 20. Juli 1944 in ihrer Heimat Luxemburg hat für die drei in Siegburg Inhaftierten die schlimmstmögliche Konsequenz. Als Vergeltung für die Erschießung eines Funktionärs der Volkdeutschen Bewegung in Luxemburg, dem Ortsgruppenleiter Alphonse Kalmes von Junglinster, einem Kollaborateur der Nationalsozialisten, hebt Heinrich Himmler als Befehlshaber des Ersatzheeres den Gnadenerlass auf. Charpantier, Koerner und Bück müssen sterben. Am Morgen des 23. August 1944 holt man sie aus den Zellen, informiert sie nacheinander über ihre Exekution, die zwei Stunden später am Uhlrather Hof, einer idyllisch an der Agger gelegenen Gastwirtschaft mit Schießplatz, vollstreckt wird. In den Augenblicken vor ihrer Erschießung richten die Männer ihren Blick auf den katholischen Anstaltsgeistlichen Johannes Münster. Bück stirbt mit dem laut ausgesprochen Ruf "Jesus, meine Zuversicht!" auf den Lippen.

Jährlich erinnert die Stadt der Toten mit einer Gedenkzeremonie und einer Kranzniederlegung am Ort des schrecklichen Geschehens.


15.08.2014 - Charpantier

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26.08.2016 - Luxemburger

Bild vergrößern Gedenken an die erschossenen Luxemburger